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„Man feiert hier nicht einfach ein Fest – man erinnert sich an den Ursprung der Stadt.“

Zück deinen Kalender und blättere schon jetzt ganz nach hinten: Auf der letzten Seite dieses Jahres machst du einen kleinen, aber feinen Eintrag für den kommenden Januar – das Karlsfest. Eine schöne Perspektive für den den letzten Januar-Sonntag des kommenden Jahres, besonders für alle, die noch mit haptischen Kalendern durch die Zeit reisen und Termine mit Stift festhalten. Aber natürlich kannst du auch als Fan digitaler Planung schon jetzt einen Reminder setzen. Denn dieser Wintertag ist mehr als nur ein Datum: Er ist eine Einladung an dich, Aachen von seiner geschichtsträchtigsten Seite zu erleben.
Mein kleine Rückblick:

Autor:in

Kochbloggerin, Autorin des Dreiländerschmeck-Kochbuchs, leidenschaftliche Öcherin und Mama. Sie weiß am besten, was man in Aachen alles unternehmen kann. Folgt ihren Tipps und lernt Aachen aus einer ganz neuen Perspektive kennen.

„Es ist Karlsfest“

Ich erlebe es wieder: Dieses besondere Gefühl, wenn an einem klaren Januarmorgen die Glocken des Aachener Doms läuten und sich rund um den Markt das Geschichtsträchtige mit dem wahren Leben mischt. Für mich ist der Termin „Heute ist Karlsfest“ jedes Jahr etwas Besonderes. Dieses Mal genieße ich diesen Tag nicht nur für mich, sondern halte meine Impressionen fest – für dich und für alle, die Aachen einmal auf diese besondere Weise erleben möchten.

Als Aachenerin gehört dieser Tag für mich zu den leisen Höhepunkten des Winters. Kein lautes Stadtfest, sondern ein Ereignis, das Geschichte und Gegenwart auf eigene Art miteinander verbindet. Gefeiert wird das Karlsfest; Anlass ist der Todestag von Karl dem Großen (28. Januar 814 in Aachen verstorben). Er machte Aachen einst zu seiner Pfalz und legte damit den Grundstein für die Entwicklung der Stadt. Seine Spuren sind hier bis heute sichtbar – und an diesem Tag besonders spürbar.

Den Auftakt erleben. Das Pontifikalamt im Dom

Der feierliche Beginn im Dom verleiht dem Fest eine fast zeitlose Stimmung. Zwischen mächtigen Säulen und goldschimmernden Mosaiken entfaltet sich eine besondere Liturgie: Ein Bischof des europäischen Auslandes zelebriert das Hochamt gemeinsam mit dem Aachener Bischof und Mitgliedern des Domkapitels, begleitet von Chorgesang und Orgelmusik. Auch eine Abordnung der Karlsschützen nimmt teil.

Der Blick auf den Karlsschrein, die ruhige Atmosphäre und das Zusammenspiel von Architektur und Klang lassen für einen Moment vergessen, dass draußen der moderne Alltag wartet. Es ist ein Auftakt, der nicht laut, sondern würdevoll ist – und genau darin liegt seine besondere Kraft. Als würde die Stadt für einen Moment den Atem anhalten.

Wo Könige gekrönt werden – und heute Gäste flanieren

Nach dem Gottesdienst zieht es auch mich hinüber zum Rathaus Aachen. Ab dem späten Vormittag verwandeln sich die historischen Säle in einen Ort voller Bewegung und Begegnung für Groß und Klein, Jung und Alt. Mittelalterlich gekleidete Gruppen, Musikerinnen und Musiker, Darsteller und Gäste aus nah und fern beleben die Flure und Höfe. Lebendiges Treiben pur.

Ein Moment bleibt mir dabei besonders im Gedächtnis: Ich stehe plötzlich einem Falkner gegenüber, der einen Falken auf dem Arm trägt. Ruhig sitzt der Vogel da, den Blick wach und aufmerksam, während sich eine kleine Menschentraube um uns bildet. Für einen Augenblick fühlt es sich an, als öffne sich ein Fenster in eine andere Zeit. Kinderaugen strahlen, mutige Händchen richten sich zu diesem wunderschönen Tier.

Ringsum zeigen Darstellerinnen und Darsteller die Welt von früher: alte Handwerkskunst, wie sie einst den Alltag prägt, Waffen und Rüstungen, die von vergangenen Kämpfen erzählen, und eine wunderschön gedeckte Tafel, die das höfische Leben sichtbar macht. Stoffe, Holz, Metall und Geschirr fügen sich zu einem Bild, das Geschichte nicht nur erklärt, sondern fühlbar macht.

Besonders eindrucksvoll ist für mich der Krönungssaal. Dort, wo einst Könige gekrönt werden, stehe ich nun zwischen Menschen aus aller Welt und spüre, wie viel Vergangenheit in diesen Mauern steckt. Die Stadt Aachen und alle Mitwirkenden schaffen eine Atmosphäre, in der Geschichte nicht fern wirkt, sondern überraschend nah kommt.

Es ist wie „Sesam öffne Dich“

Was mir am Karlsfest besonders gefällt, ist die reale „Offenheit“ – im wahrsten Sinne des Wortes. Viele Räume des Rathauses, die sonst verschlossen bleiben, sind an diesem Tag zugänglich – vom Ratssaal über den Weißen Saal, den Friedenssaal bis hin zum alten Amtszimmer des Oberbürgermeisters. Kostenlose Führungen laden dazu ein, hinter die Fassaden zu blicken und mehr über Karl den Großen, die Kaiserkrönungen und den Wandel der Stadt zu erfahren. Geschichte wird hier nicht ausgestellt, sondern erzählt – , auch für jene, die sonst keinen besonderen Bezug zu historischen Themen haben.

Geschichte, die man riechen und schmecken kann

Dazu kommt der sinnliche Teil des Festes: Der Duft von warmem Essen zieht durch das Rathaus. Von den Aachener Aixtra-Fleischern zubereitet Karlswurst mit Grünkohl, dazu ein Klecks Senf. Kulinarisch ein Traum. Schon beim Anstehen mischt sich der Duft der Karlswurst und warmem Grünkohl mit der kalten Winterluft – und spätestens beim ersten Bissen wird klar: Auch das ist gelebte Tradition. Einige der Aachener Fleischern, die ihr Handwerk leben und lieben, stehen selbst an der Ausgabe und erzählen gerne von der traditionsreichen Karlswurst.

Wusstest du schon, dass die Aachener Karlswurst ein geschütztes Produkt ist – genau wie die Aachener Weihnachtsleberwurst? Beide stehen für regionale Rezepturen, handwerkliche Herstellung und eine lange kulinarische Geschichte, die an diesem Tag genauso präsent ist wie die steinernen Mauern von Dom und Rathaus.

Warum dieser Tag schon auf die letzte Kalenderseite des Jahres geschrieben werden sollte

Das Karlsfest ist kein Spektakel mit Bühne und Feuerwerk. Es lebt von leisen Momenten: vom Klang der Musik im Dom, vom Murmeln der Menschen im Krönungssaal, vom Dampf eines heißen Eintopfes in der Winterluft.

Wenn du Aachen in den kommenden Jahren besuchst und dich für Kultur, Geschichte und besondere Stadterlebnisse interessierst, solltest du dir dieses Datum vormerken. Das nächste Karlsfest findet wieder am letzten Januarsonntag statt – merk dir diesen Tag schon jetzt für kommendes Jahr vor.

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